Ich war schon immer perfektionistisch, hatte oft den „Ganz-oder-garnicht-Gedanken“. Schwarz-weiß-Denken eben. In allen Belangen, so auch bezüglich meines Körpers. Das stand mir so oft im Weg. Ich denke so geht es nicht nur mir. Vielleicht auch dir? Doch man fühlt sich alleine damit, weil keiner oder nur sehr Wenige darüber reden. Selten steht der Misserfolg im Fokus. Ständig wird von Erfolgen berichtet, tolle Fotos auf Social Media geteilt, das Ego herausgeputzt und Produkte werden in die Kamera gehalten, die einem helfen sollen abzunehmen, schöner zu sein, besser zu sein. Das zu sehen, führt bei mir unterbewusst dazu, noch perfekter sein zu wollen. Mehr und mehr habe ich das Gefühl unvollständig, ungenügend und wertlos zu sein. Ich brauche andere Haare, einen andern Body, die Cellulite muss weg, meine Brüste haben eine komische Form und überhaupt ist irgendwie alles nicht so wie bei den erfolgreichen Menschen.

Ich kann sehr streng mit mir sein. Ich kann mir nur gesundes Essen mit zur Arbeit nehmen. Ich kann fünfmal die Woche ein Workout machen. Jeden Tag meine Haare glätten oder die „Curly-Girl-Methode“ anwenden. Je nachdem was gerade modern ist. Doch für welchen Preis tue ich das? Für welches Ziel? Und für wen denn überhaupt? Ich wollte so oft jemand sein. Nur nicht ich selbst. Auch jetzt noch, nachdem ich abgenommen habe. Mit fünfzehn bis zwanzig Kilogramm weniger bin ich immer noch nicht zufrieden. Warum das so ist? Darauf habe ich nach langer Zeit eine Antwort. Es ging eben nicht darum nur weniger zu wiegen. Es ging die ganze Zeit darum jemand anders sein zu wollen. Ich habe es nicht gemacht, um gesünder zu sein, um leistungsfähiger zu sein, um konzentrierter zu sein. Nicht weil mein Körper, mein Haus in dem ich wohne, das verdient hat. Ich tat es vor allem der Gesellschaft wegen.

Ich glaube, dass es dir ähnlich gehen könnte. Ich habe natürlich gesagt, ich mache das für mich. Damit ich mich wohler fühle. Aber rückblickend war das nur der Kleinste aller Gründe. Ich wollte dazugehören, wollte Klamotten der berühmten Fast Fashion Marken kaufen, wollte mich nicht mehr vor anderen schämen, erfolgreich sein, tanzen ohne mich zu schämen, und noch so viel mehr. All das könne ich nur machen, wenn ich schlank bin. So hat sich das in meinem Kopf abgespeichert. Anders könne man nicht glücklich sein, keinen Spaß haben. Jetzt gerade während ich diese Zeilen schreibe, umarme ich gedanklich mein damaliges Ich. Es ist okay, dass es so war. Doch könnte ich die Zeit zurückdrehen, würde ich anders an die Sache herangehen. Oh könnte ich nur! Ich möchte nicht mehr dabei zusehen, wie auch andere Frauen diesen Fehler machen.

Das Beste, was ich bezüglich Social Media tun konnte, war mein Instagram „aufzuräumen“. Ich habe alle Accounts, die mir ein schlechtes Gefühl gaben, deabonniert. Andere mögen Sixpacks motivieren. Mich demotiviert das. Mich demotiviert generell alles, wovon ich noch tausend Schritte entfernt bin. Daher folge ich Menschen, die auf einem ähnlichen Level sind und vor allem authentisch und echt. Jeder ist da anders. Du musst erkennen, was dir gut tut. Reflektiere einmal, welche Accounts dir ein negatives Gefühl geben. Welcher Input lässt dich verbissen, perfektionistisch und unzufrieden werden? Halte Ausschau nach Accounts, die dich positiv stimmen, die deiner Wahrheit entsprechen und die auch Misserfolge oder negative Erfahrungen teilen. Sei dabei zu hundert Prozent ehrlich zu dir. Auch würde ich dir raten dich von Vorbildern, die dir selbst nicht entsprechen, zu trennen. Wie zum Beispiel Frauen, die eine ganz andere Körperform als du besitzen oder die mehr Make-Up im Gesicht tragen, als du insgesamt besitzt. Das sind Beispiele, die mir spontan einfallen und die keinesfalls jemanden persönlich angreifen sollen!

Du selbst hast die Wahl dich mit positiven Dingen zu umgeben, um aufzuhören dich selbst wertlos zu fühlen. Denn du gehörst dazu und zwar so wie du jetzt gerade bist. Deine Seele gehört zu deinem Körper. Deine Seele ist so wie sie gerade ist und dein Körper ist so wie er gerade ist. Deine Seele darf so sein und dein Körper darf das auch. Gib dir selbst und all deinen Gefühlen gedanklich eine Umarmung. Setze deine Ziele anders. Setze auf deine Gesundheit, auf deine Wahrheit, auf dein Wohlbefinden. Und vor allem verstehe, dass du so wie du jetzt bist, alles tun darfst was du möchtest! Tanze, geh schwimmen, geh zu einem Date, kaufe schöne Klamotten, gehe zum Frisör, fahre in deinen Traumurlaub, heirate in einem wunderschönen Kleid, genieße dein Essen, mache Yoga. Mache es so wie du jetzt gerade bist. Jede Zelle deines Körpers und deine Seele haben das verdient! So wie du jetzt und hier bist. Denn du wirst nicht sein. Nein, du bist bereits jetzt!

1 Comment

  • Alina
    Posted 29. April 2019 12:57 0Likes

    Liebe Tanja,

    was für ein grandioser Beitrag mit noch viel bewegenderen und schöneren Worten. Ich weiß wirklich nicht, wie du das machst, aber was du mit deiner Wortwahl zum Ausdruck bringst, dass berührt mich wirklich sehr. Und du hast ja auch Recht! So so Recht! Man lebt im Hier und Jetzt und das Leben ist viel zu kurz um sich ständig irgendwas zu verbieten oder sich selber gar scheiße zu finden. Wo soll das denn hinführen? Das kann gar nicht gut ausgehen! Viele Menschen denken so so wenig an sich, an ihre Psyche, an ihre Seele. Weil alle immer nur auf das äußere achten und das ist doch wahrlich grundverkehrt. Wie dankbar bin ich, dass ich Gott sei Dank zu dieser Ansicht der Dinge gekommen bin. Das Leben kann so schön sein, wenn man es auch wirklich lebt!

    Ich danke dir, für diesen wundervollen Beitrag <3

    Ganz liebe Grüße,
    Alina

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